Der Fachkräftemangel ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern prägt den Recruiting-Alltag vieler Unternehmen. Der viel zitierte War for Talents verschärft sich weiter, besonders im Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte und spezialisierte Fachprofile. Gleichzeitig wächst der Druck, im Recruiting sichtbarer, schneller und effizienter zu werden.

In diesem Spannungsfeld geraten klassische Job- und Karrieremessen immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. Denn so etabliert das Format auch ist: Ein Messeauftritt ist für Unternehmen mit hohen Kosten, organisatorischem Aufwand und einem starken Ressourceneinsatz verbunden. Standgebühren, Konzeption, Gestaltung, Werbemittel, Transport, Schulung des Standpersonals binden Zeit und Budget, oft über Wochen hinweg.

Hinzu kommt die Frage: Wie gut ist die Qualität der Kontakte bzw. der potenziellen Bewerber:innen wirklich? Gespräche bleiben mitunter oberflächlich, Erwartungen passen nicht zusammen oder die Kandidat:innen sind noch weit von einer konkreten Entscheidung entfernt.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die direkte Konkurrenzsituation. Auf Karrieremessen stehen Unternehmen, nicht selten aus derselben Branche, oft nur wenige Schritte voneinander entfernt. Messestand, Informationsmaterial, Auftritt der Mitarbeiter:innen und die vermittelte Arbeitgebermarke werden von Besucher:innen unmittelbar miteinander verglichen. Wer hier nicht klar, glaubwürdig und konsistent auftritt, läuft Gefahr, im direkten Vergleich an Profil zu verlieren.

Warum Karrieremessen dennoch ihren Platz haben

Trotz dieser Kritikpunkte haben Karrieremessen nach wie vor eine klare Berechtigung im Recruiting-Mix, denn digitale Reichweite allein reicht für ein umfangreiches und authentisches Bild nicht aus.

Ein zentraler Vorteil von Karrieremessen liegt darin, dass sie arbeits- und karriereorientierte Zielgruppen gezielt bündeln. Unternehmen treffen dort auf Menschen, die sich aktiv mit ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen. Diese Konzentration ist in digitalen Kanälen in dieser Form kaum herstellbar.

Noch wichtiger ist jedoch, laut Birgit Marktl, Verantwortliche für die Messeorganisation der „Meet & Match“-Karrieremesse an der FH Kärnten, der persönliche Kontakt. Es zeigt sich deutlich, dass insbesondere Student:innen und Absolvent:innen großen Wert auf Authentizität, Transparenz und einen realistischen Eindruck vom Arbeitgeber legen. Genau hier spielen Karrieremessen ihre Stärke aus: Im direkten Gespräch lassen sich Emotionen, Haltung und Unternehmenskultur wesentlich besser transportieren als über Stellenanzeigen oder Karriereseiten. Persönliche Begegnungen ermöglichen es, Vertrauen aufzubauen, Fragen unmittelbar zu klären und Erwartungen beider Seiten abzugleichen.

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Birgit Marktl, Business & Career Service der FH Kärnten

Karrieremessen als Teil eines ausgewogenen Recruiting-Mixes

Karrieremessen entfalten ihre Wirkung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Recruiting-Maßnahmen. Denn Online-Jobbörsen, Social-Media-Recruiting, Active Sourcing und Employer-Branding-Kampagnen sorgen für Sichtbarkeit, Reichweite und Skalierbarkeit. Karrieremessen übernehmen in diesem Zusammenspiel jedoch eine andere Funktion: Sie vertiefen Kontakte, schaffen Nähe und machen Arbeitgebermarken erlebbar.

Besonders lohnend ist persönliche Präsenz dort, wo Unternehmen:

  • frühzeitig Talente binden möchten
  • komplexe Berufsbilder oder vielfältige Einstiegsmöglichkeiten erklären müssen
  • Werte, Kultur und Arbeitsweise glaubwürdig vermitteln wollen
  • direktes Feedback aus der Zielgruppe schätzen und nutzen

Dabei gilt: Karrieremessen lohnen sich vor allem für Unternehmen, die sich inhaltlich und strategisch sicher sind. Karrieremessen bleiben, wenn sie als Instrument richtig eingesetzt und eingebettet in einen durchdachten Recruiting-Mix werden, ein wirkungsvolles Instrument – vor allem dort, wo persönliche Begegnungen den Unterschied machen.

Meet & Match: persönliche Begegnung mit Fokus

Wie gut persönliche Formate funktionieren können, zeigt die Jobmesse Meet & Match an der FH Kärnten. Sie bringt Studierende und Jobsuchende mit über 80 Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Technik und Wirtschaft direkt am Campus zusammen.

Kleine Zeitung MeetMatch 2026

Die nächste Meet & Match findet am 7. Mai 2026 am FH Campus Villach statt. Begleitend dazu setzt die Kleine Zeitung mit dem passenden Themenschwerpunkt einen inhaltlichen Rahmen, der Arbeitgeber sichtbar macht und Reichweite schafft.

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