GASTKOMMENTAR von Mag. Martin Weßel

Auch im Homeoffice Zugehörigkeit empfinden: 5 Maßnahmen, wie Unternehmen trotz hybrider Arbeit Zusammenhalt schaffen

Hybride Arbeitsmodelle sind längst zum festen Bestandteil vieler Unternehmen geworden. Sie bieten Mitarbeiter:innen mehr Flexibilität und ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Gleichzeitig stehen Organisationen vor einer neuen Herausforderung: Wie gelingt es, ein starkes Wir-Gefühl aufrechtzuerhalten, wenn sich Teams nur selten persönlich begegnen?

Das Gefühl der Zugehörigkeit zählt zu den wichtigsten Faktoren für Motivation, Engagement und psychische Gesundheit. Menschen möchten sich als wertvollen Teil einer Gemeinschaft erleben. Fehlt dieses Gefühl, können Isolation, geringere Bindung an das Unternehmen und sinkende Leistungsbereitschaft die Folge sein. Mit den richtigen Maßnahmen können Unternehmen jedoch auch in hybriden Arbeitswelten Zusammenhalt aktiv fördern.

1. Regelmäßige persönliche Begegnungen ermöglichen

Digitale Kommunikation kann vieles ersetzen, aber nicht alles. Persönliche Treffen schaffen Vertrauen, stärken Beziehungen und fördern den informellen Austausch. Unternehmen sollten daher bewusst Gelegenheiten schaffen, bei denen Teams vor Ort zusammenkommen – etwa durch Teamtage, Workshops oder gemeinsame Veranstaltungen. Entscheidend ist, dass diese Treffen nicht ausschließlich fachlichen Themen dienen, sondern auch Raum für soziale Interaktion bieten.

2. Führungskräfte als Verbindungspersonen stärken

Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle für das Zugehörigkeitsgefühl ihrer Mitarbeiter:innen. Regelmäßige Gespräche, echtes Interesse an den individuellen Anliegen und eine wertschätzende Kommunikation vermitteln Anerkennung und Verbundenheit. Besonders im Homeoffice ist es wichtig, nicht nur über Aufgaben und Ziele zu sprechen, sondern auch nach dem Befinden zu fragen und persönliche Erfolge sichtbar zu machen.

3. Informellen Austausch bewusst fördern

Im Büro entstehen viele soziale Kontakte spontan – an der Kaffeemaschine, in der Mittagspause oder auf dem Weg zum Besprechungsraum. Im Homeoffice fallen diese Begegnungen weitgehend weg. Unternehmen können deshalb virtuelle Kaffeepausen, informelle Team-Calls oder digitale Mittagstreffen etablieren. Solche Formate mögen auf den ersten Blick nebensächlich erscheinen, leisten jedoch einen wichtigen Beitrag zur sozialen Vernetzung.

4. Gemeinsame Werte und Ziele erlebbar machen

Menschen fühlen sich stärker verbunden, wenn sie wissen, wofür sie gemeinsam arbeiten. Eine klare Kommunikation von Unternehmenszielen, Vision und Werten schafft Orientierung und Identifikation. Gleichzeitig sollten Mitarbeiter:innen die Möglichkeit haben, ihren eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu erkennen. Wer versteht, welchen Unterschied die eigene Arbeit macht, erlebt sich stärker als Teil eines größeren Ganzen.

5. Anerkennung und Wertschätzung sichtbar machen

Wertschätzung ist ein wesentlicher Treiber von Zugehörigkeit. Gerade in hybriden Teams besteht die Gefahr, dass Leistungen weniger wahrgenommen werden. Führungskräfte und Kolleg:innen sollten daher bewusst Anerkennung aussprechen – sei es in Meetings, über digitale Plattformen oder in persönlichen Gesprächen. Wichtig ist, dass Wertschätzung authentisch, konkret und zeitnah erfolgt.

Hybride Arbeit bedeutet nicht zwangsläufig weniger Zusammenhalt. Entscheidend ist, dass Unternehmen soziale Verbundenheit aktiv gestalten, anstatt sie dem Zufall zu überlassen. Regelmäßige Begegnungen, eine verbindende Führung, informelle Austauschmöglichkeiten, gemeinsame Ziele und gelebte Wertschätzung schaffen die Grundlage dafür, dass Mitarbeiter:innen auch im Homeoffice Zugehörigkeit erleben. Wer sich als Teil einer Gemeinschaft fühlt, bleibt engagierter, zufriedener und langfristig stärker mit dem Unternehmen verbunden.

Über Mag. Martin Weßel

Kleine Zeitung Martin Wessel ©Enrico Battaglia

© Enrico Battaglia

Mag. Martin Weßel ist Geschäftsführer der rt-prevent GmbH sowie der research-team Jiménez-Schmon-Höfer GmbH und arbeitet als Arbeits-, Organisations- und Notfallpsychologe. Seit 2022 leitet er rt-prevent und konzentriert sich in seiner Beratung auf die Evaluierung und Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, die arbeitspsychologische Begleitung im Rahmen der Präventionszeiten, die notfallpsychologische Akutberatung sowie das Coaching von Führungskräften und Mitarbeiter:innen.