GASTKOMMENTAR von Florian Semmler

LinkedIn hat sich längst vom digitalen Lebenslauf zur Bühne für strategisches Content Marketing entwickelt – und ist damit zu einem der wirksamsten Owned-Media-Kanäle für Unternehmen und Unternehmer:innen geworden. Wer Inhalte über persönliche Profile oder Unternehmensseiten teilt, behält nicht nur die volle Kontrolle über die Botschaft, sondern kann dies auch äußerst kostengünstig tun. Genau das macht LinkedIn besonders wertvoll für gezielte Sichtbarkeit ohne Werbebudget. Doch wie funktioniert LinkedIn-Marketing konkret – ohne Hochglanzkampagne, aber mit klarem Plan? Florian Semmler, Geschäftsführer der Agentur mediapool, gibt praxisnahe Einblicke.

Wie LinkedIn und KI Mittelständlern eine Bühne geben

LinkedIn ist kein Werbekanal – es ist die Bühne für Unternehmer:innen, die etwas zu sagen haben. Und das Beste: Wer die Mechanik dahinter versteht, kann mit null Werbebudget enorme Reichweite erzielen.

Was viele nicht wissen: Persönliche Profile haben auf LinkedIn deutlich mehr Reichweite als Unternehmensseiten. Ein Company Account ist wichtig, klar – aber am Ende nur eine digitale Visitenkarte. Die echten Beziehungen entstehen über das Personenprofil. Der LinkedIn-Algorithmus bevorzugt diese Inhalte bewusst, weil hier Dialog, Meinung und Persönlichkeit sichtbar werden. Und genau das ist es, was wirkt.

Menschen erreichen Menschen – nicht Werbebotschaften

Entscheidend ist: Werbung interessiert auf LinkedIn niemanden. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Hochglanzbotschaften, sondern durch echten Inhalt. Persönliche Einblicke, klare Positionen, praxisnahe Erfahrungen – das ist der Stoff, aus dem Interaktionen entstehen. Und genau hier kommt ChatGPT ins Spiel.

Ich arbeite mit der Bezahlversion von ChatGPT und habe mir darin ein eigenes CustomGPT gebaut – quasi meinen digitalen Co-Autor. Er kennt meinen Stil, meine Themen und hilft mir beim Texten, ohne dass es unpersönlich wirkt. Der Schlüssel liegt dabei im Briefing: Je präziser mein Input, desto authentischer der Output.

Eine Promptvorlage für einen LinkedIn-Beitrag mit dem Fokus Mitarbeitergewinnung:

„Schreibe einen LinkedIn-Beitrag für ein Unternehmen in der [Branche] mit etwa [Mitarbeiteranzahl], das Fachkräfte im Bereich [Jobtitel] sucht. Ziel ist es, über das persönliche Profil der Geschäftsführung authentisch zu zeigen, warum das Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber ist. Keine klassische Stellenanzeige, sondern ein ehrlicher Einblick ins Team. Verwende eine starke Headline. Stelle mir fünf Rückfragen, um den Beitrag weiter zu schärfen.“

Was entscheidend ist: Der Beitrag muss einen klaren Trigger im ersten Satz setzen. Ein guter Hook entscheidet auf LinkedIn darüber, ob der Beitrag gelesen wird oder nicht. Beispiele dafür sind:

  • „Warum ich unseren neuen Mitarbeiter:innen lieber einen halben Tag mit dem Team als mit dem Handbuch gebe.“
  • „Was mir mein Team vergangene Woche gesagt hat, hat mich richtig zum Nachdenken gebracht.“
  • „Würdest du dich heute noch bei deinem eigenen Unternehmen bewerben?“

Sichtbarkeit entsteht durch Strategie – nicht durch Zufall

Wenn Inhalte gut gemacht sind, regelmäßig erscheinen und wirklich die Sprache der Zielgruppe sprechen, braucht es kein Mediabudget. Im letzten Jahr habe ich mit meinem LinkedIn-Profil über 375.000 Impressionen erzielt – rein organisch. Nicht, weil ich täglich poste oder besonders kreativ bin, sondern weil ich verstanden habe, was meine Zielgruppe interessiert.

Authentischer Content bedeutet nicht, dass alles perfekt inszeniert ist – im Gegenteil. Gerade die Beiträge, die spontan, echt und aus dem Arbeitsalltag heraus entstehen, erzeugen auf LinkedIn oft die größte Resonanz. Ein kurzes Handyvideo aus dem Büro, ein ehrlicher Gedanke zum Wochenstart oder ein Erfahrungsbericht aus einem Kundenmeeting – genau solche Inhalte machen ein Unternehmen nahbar und sympathisch.

Wer heute Vertrauen aufbauen will, muss nicht laut sein – sondern klar, echt und relevant. Genau das lässt sich mit LinkedIn und ein bisschen KI-Unterstützung besser umsetzen denn je.

Über Florian Semmler

Kleine Zeitung Florian Semmler

© mediapool

Florian Semmler ist Geschäftsführer der Digitalagentur mediapool. Er unterstützt Unternehmen bei der digitalen Positionierung, Mitarbeitergewinnung und Content-Produktion – mit Fokus auf LinkedIn, Video und KI.