GASTKOMMENTAR von Mag. Julian Pekler.

Ein Neustart ist selten bequem. Gerade junge Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten, sichtbar zu werden und vor allem Vertrauen aufzubauen. Doch was braucht es wirklich, um als Start-up die Anfangszeit erfolgreich zu meistern?

Darüber hat der Werbemarkt der Kleinen Zeitung mit Julian Pekler, Unternehmer, Investor und Landesvorsitzender-Stv der Junge Wirtschaft Steiermark gesprochen. Im Interview teilt er seine Erfahrungen aus der Praxis und zeigt, warum Verlässlichkeit, Sichtbarkeit und strategisches Denken entscheidender sind als die vermeintlich perfekte Idee.

Herr Pekler, Sie begleiten Start-ups nicht nur theoretisch, sondern stehen selbst mitten in der Praxis. Was bedeutet für Sie persönlich ein Neustart im unternehmerischen Kontext?

Julian Pekler: Ein Neustart ist immer ein Sprung ins kalte Wasser und bringt große Veränderungenim Leben mit sich. Besonders beim ersten Gründen ist es ein massiver Schritt, vor allem, wenn man aus einem Angestelltenverhältnis kommt. Man ist plötzlich für alles selbst verantwortlich. Gleichzeitig ist genau, dass das Beeindruckende daran: Man wird vom Mitschwimmer in der Vision eines anderen zum Kapitän des eigenen Projekts. Dieser Zero-to-One-Moment macht den Neustart aus.

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen erlebt Österreich eine hohe Gründungsdynamik. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Hürden beim Markteintritt?

Viele Gründer:innen sind fachlich sehr stark in ihrem Kernthema, müssen aber gleichzeitig Buchhaltung, Finanzierung, Marketing und Organisation stemmen. Gerade am Anfang gibt es keine Abteilungen, die einem Aufgaben abnehmen. Man muss alles gleichzeitig jonglieren und dennoch im Kerngeschäft exzellent bleiben. Dazu kommt die volle Verantwortung: Jede Zusage, jede E-Mail, jede finanzielle Entscheidung liegt bei einem selbst. Das ist eine große Umstellung, mit der man umgehen können muss.

Abseits eines guten Produkts: Wie bauen Start-ups von Beginn an, Vertrauen bei Kund:innen auf?

Es gibt oft den Irrglauben, dass man eine bahnbrechende Idee benötigt. In der Realität geht es viel mehr um Umsetzung. Execution is everything. Als junges Unternehmen lebt man mit dem Vorurteil, ob man verlässlich ist und ob die Leistung wirklich erbringen kann. Vertrauen entsteht durch Verbindlichkeit: erreichbar sein, Zusagen einhalten, rasch reagieren. Gerade einfache Dinge sind entscheidend. Wer wochenlang nicht antwortet, verspielt Vertrauen, besonders als Start-up.

Welche Rolle spielen Kommunikation, Sichtbarkeit und öffentliche Präsenz in der Anfangsphase?

Disziplin und Sichtbarkeit spielen beide eine große Rolle. Ein Unternehmen, das niemand kennt, kann keine Kund:innen gewinnen. Viele scheuen sich davor, früh rauszugehen, weil Produkt oder Website noch nicht perfekt sind. Das ist ein großer Fehler. Es gibt kein „zu früh“. Man muss über die eigene Idee sprechen, Netzwerke nutzen, präsent sein. Oft erinnern sich Menschen erst Monate später an ein Gespräch und genau dann entsteht der Kontakt.

Sie arbeiten intensiv mit Finanzplanung und Geschäftsmodellen. Welche Denkfehler beobachten Sie bei Wachstum und Finanzierung?

Die Zeiten haben sich stark verändert. Die Phase des billigen Geldes ist vorbei. Banken finanzieren Start-ups kaum, weil Sicherheiten und geprüfte Bilanzen fehlen. Ein häufiger Fehler ist die Annahme, man könne einfach einen Kredit aufnehmen. Stattdessen müssen Gründer:innen früh Kontakte zu Investor:innen, Business Angels oder auch im privaten Umfeld aufbauen. Heute reicht keine Vision mehr. Man muss klar aufzeigen können, wie man in drei bis fünf Jahren zahlende Kund:innen gewinnt.

Welche Rolle spielen Investor:innen für Resilienz in wirtschaftlich unsicheren Zeiten?

Investor:innen sind weit mehr als Kapitalgeber. Sie bringen strategisches Know-how, Netzwerke und Erfahrung ein. In Krisen ist das besonders wertvoll. Wer bereits einen Investor an Bord hat, ist resilienter, weil man gemeinsam Lösungen entwickeln kann. Viele unterschätzen das und haben Angst vor Anteilsabgabe. Dabei sind 50 Prozent eines erfolgreichen Unternehmens deutlich mehr wert als 100 Prozent von einem, das nicht vorankommt.

Wie wichtig sind regionale Netzwerke wie die Junge Wirtschaft für junge Unternehmen?

Regionale Netzwerke sind extrem wertvoll. Sie bieten Plattformen, Veranstaltungen und direkten Austausch mit Gleichgesinnten. Gründer:innen treffen dort Menschen, die ähnliche Phasen bereits durchlaufen haben, ebenso wie Investor:innen. Der persönliche Kontakt senkt Hürden enorm. Gerade aktuell sehen wir, dass viele Unternehmen uns als Investor:innen gar nicht mehr aktiv ansprechen, denn wir bekommen weniger Pitchdecks als noch vor fünf Jahren. Das ist schade, denn wir hätten eigentlich die Möglichkeit, viel mehr zu unterstützen. Das trifft sicher auf viele Investoren zurzeit zu. Damit soll also ein klarer Call to Action an Grüner:innen oder Jungunternehmen gesetzte werden, sich vermehrt an Investor:innen zu wenden.

Welchen Rat würden Sie Gründer:innen mit Blick auf 2026 mitgeben?

2026 ist ein sehr guter Zeitpunkt für einen Neustart. Nach Jahren des Pessimismus verbessert sich das Umfeld wieder: Inflation sinkt, Wachstum kehrt zurück, Kapital sucht neue Anlagemöglichkeiten. Die Bühne ist weniger überfüllt als früher. Wer jetzt startet oder expandiert und sichtbar wird, hat sehr gute Chancen, sich erfolgreich zu positionieren.

Und abschließend: Was können etablierte Unternehmen von Start-ups lernen?

Die „Today is Day One“-Mentalität. Etablierte Unternehmen verharren oft in alten Entscheidungen. Start-ups denken anders: Jeden Tag neu, offen für Veränderung, fokussiert auf die beste Lösung. In einer Welt, die sich durch Digitalisierung und KI rasant verändert, ist es entscheidend, agil zu bleiben, Dinge hinterfragen und notfalls alles neu denken.

Über Mag. Julian Pekler

Kleine Zeitung Foto Julian Pekler 2024 Web

Mag. Julian Pekler ist erfolgreicher Investor und Unternehmer. Er fokussiert sich auf den Erwerb sowie die langfristige Entwicklung von Unternehmen mit stabilen und planbaren Geschäftsmodellen. Darüber hinaus berät er Gründerinnen und Gründer sowie junge Unternehmen in den Bereichen strategische Entwicklung und Finanzplanung.

Die Emperea Gruppe ist eine langfristig orientierte Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mit Sitz in der Steiermark. Als Eigenkapitalgeber beteiligt sich Emperea an Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen und begleitet diese bei Wachstum, Expansion und unternehmerischer Weiterentwicklung. Ziel ist der nachhaltige Aufbau stabiler und zukunftsfähiger Unternehmenswerte, nicht ein kurzfristiger Exit.