Wo Prozesse heute Talente verlieren und wie Unternehmen diesen Herausforderungen gezielt begegnen können

Gastkommentar von Markus Zink, Head of Jobs bei willhaben

Der Wettbewerb um Talente am heimischen Arbeitsmarkt ist intensiver denn je. Immer mehr Betriebe investieren immer noch mehr Ressourcen in moderne Arbeitswelten, Employer Branding und attraktive Benefits. Vielerorts verbleiben aber ungeahnte Reibungsverluste in einem Bereich, der auf den ersten Blick banal erscheint: Ein nicht ausgereifter digitaler Bewerbungsprozess, der enorm viel Potenzial verpuffen lässt.

Hausgemachte Hindernisse

Diese hartnäckige Herausforderung ist dabei zumeist hausgemacht. Bewerbungsprozesse sind in den meisten Unternehmen historisch gewachsen, wurden um immer neue Anforderungen ergänzt, ohne den Gesamtprozess zu hinterfragen. Das Ergebnis: Ein schlechter Kompromiss aus komplexen und schwerfälligen Systemen, die auch BewerberInnen eher abschrecken als motivieren. Veränderungen in Unternehmen sind selten leicht durchzusetzen, ausgesprochen kritisch wird es aber, wenn Unternehmen besonders in diesem Bereich an veralteten Strukturen festhalten, sich durch Login-Pflichten oder unübersichtliche Formulare, die den Einstieg unnötig verkomplizieren, das Leben selbst schwer machen. Gerade im mobilen Zeitalter besonders fatal: Funktioniert der Bewerbungsfunnel nicht einwandfrei auf dem Smartphone, verlieren Unternehmen einen Großteil der potenziellen KandidatInnen, bevor der Prozess überhaupt begonnen hat.

Mut zur Veränderung

Die technischen Möglichkeiten sind längst vorhanden, mutig den gesamten Prozess effizient und konsequent aus Sicht der NutzerInnen neu zu denken, Barrieren zu identifizieren und abzubauen – etwa durch Schnittstellen zu One-Click-Bewerbungen großer Anbieter oder durch einfache, intuitive Abläufe, würde in so gut wie allen Fällen belohnt werden. Auch, wenn dafür vertraute Pfade vielleicht zurückgelassen werden müssen. Neue Ansätze machen auch den Weg frei für verstärkten Dialog, ein weiteres, immer essenzielleres Thema im Bewerbungsprozess. Hier keine Einbahnstraße zu sein, nach dem Absenden einer automatisierten Eingangsbestätigung transparent in die Kommunikation zu gehen, Bewerberinnen mit regelmäßigen Statusupdates und echtem Feedback zu versorgen, kann sehr entscheidend sein, um Talente nicht zu verlieren und – unabhängig vom Ausgang der Bewerbung - ein positiv erlebtes Miteinander zu gewährleisten.

Fokus auf die Kultur

Neben dem Skill-Matching gewinnt das Kultur-Matching in der heutigen Arbeitswelt immer stärker an Bedeutung. Unternehmen, die darauf Wert legen, profitieren langfristig von zufriedeneren und engagierteren MitarbeiterInnen. Hier kann in der Vorauswahl und zur Bewältigung großer Mengen an Bewerbungen Künstliche Intelligenz wertvolle Unterstützung bieten. Die Vorauswahl und Analyse von Bewerbungsunterlagen lässt sich mit zeitgemäßer Unterstützung deutlich schneller realisieren und schafft mehr Zeit für die wesentliche Komponente: das Kennenlernen der aussichtsreichsten BewerberInnen, die menschliche Komponente am Weg zur finalen Entscheidung.

Ein Bewerbungserlebnis schaffen

Letztlich lässt sich ein gelungener Bewerbungsprozess im Jahr 2026 bis zu einem gewissen Grad mit dem Einkaufserlebnis in einem erstklassigen Onlineshop vergleichen: Einfach, transparent, mobil optimiert und nutzerzentriert. Jede und jeder von uns hat wohl schon einmal die Erfahrung gemacht, wie abschreckend und hinderlich ein schlechter Onlineshop wirken kann – selbst wenn man bereits vom Produkt überzeugt wäre. Die Parallelen im digitalen Bewerbungsprozess sind groß: Ist die „Customer Journey“ nicht stimmig, verliert man die besten Talente, bevor man überhaupt richtig mit ihnen in Kontakt treten konnte.

Meine Empfehlung: Denken Sie kompromisslos aus Sicht Ihrer BewerberInnen

Nutzen Sie die Chancen, die uns KI und Digitalisierung bringen, auch einmal für wirklich radikale Veränderung von Abläufen und Denkmustern. Gestalten Sie Bewerbungsprozesse kompromisslos aus Sicht Ihrer BewerberInnen neu. So gewinnen Sie nicht nur Kontakt zu Talenten, sondern auch deren Vertrauen. Dies wird in Zeiten des Fachkräftemangels jeden Tag noch mehr Wert und ein echter Wettbewerbsvorteil für Ihr Unternehmen.

Kleine Zeitung 01 Markus Zink Head of Jobs c willhaben

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Markus Zink, Head of Jobs bei willhaben

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