GASTKOMMENTAR von Dr. Margot Hohl

Was uns zusammenhält, wenn Vernetzung allein nicht mehr reicht

Vielleicht ist das Problem nicht, dass wir zu wenig Gemeinschaft haben. Vielleicht haben wir zu viele Verbindungen – und zu wenig Beziehungen. Wir leben in einer Zeit, in der alle miteinander verbunden sind und sich trotzdem immer weniger zuhören. Das ist keine Paradoxie mehr, sondern Normalzustand. Noch nie war es so einfach, miteinander zu sprechen, Informationen zu teilen und Entwicklungen in Echtzeit zu verfolgen. Und noch nie war es so leicht, aneinander vorbeizureden.

Kriege sind nach Europa zurückgekehrt. Politische Spannungen wachsen. Demokratien geraten unter Druck. Das Vertrauen in Medien, Institutionen und öffentliche Debatten bröckelt. Nicht abrupt, sondern schleichend. Während die technische Vernetzung zunimmt, wird das gesellschaftliche Gewebe fragiler. Wir erzählen uns gern, dass Vernetzung automatisch Gemeinschaft erzeugt. Das klingt plausibel. Es klingt modern. Und es ist falsch. Dass Menschen dieselben Plattformen nutzen, bedeutet noch lange nicht, dass sie sich verstehen. Im Gegenteil: Je dichter die digitalen Netze werden, desto leichter wird es, sich aus allem zurückzuziehen, was widerspricht. Algorithmen verbinden Menschen technisch – gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen sie nicht. Gemeinschaft ist kein Nebenprodukt von Verbindung. Sie entsteht gegen Widerstände: durch das Aushalten von Unterschieden . Nicht durch Gleichklang, sondern durch Beziehung, Orientierung und Einordnung. Genau deshalb wird sie in einer vernetzten Welt nicht selbstverständlich, sondern wertvoll.

Medien sind nicht nur Brücke, sondern Kontext

Medien werden oft als Kitt der Gesellschaft beschrieben – als Ort, an dem Öffentlichkeit entsteht. Das stimmt. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Medien verbinden nicht nur. Sie ordnen ein, gewichten, kuratieren und schaffen damit erst den Rahmen, in dem Informationen Bedeutung erhalten. Ohne Einordnung entsteht keine Orientierung. Und ohne Orientierung wird Öffentlichkeit zur bloßen Gleichzeitigkeit von Meinungen.

Natürlich sind Medien selbst Teil jener Dynamiken geworden, die sie beschreiben: Polarisierung, Beschleunigung, Überforderung und Misstrauen. Das ist kein Vorwurf, sondern Ausdruck einer Realität, in der Medien nicht mehr nur Beobachter, sondern auch Akteure gesellschaftlicher Entwicklungen sind. Trotzdem bleibt ein entscheidender Kern bestehen: Ohne Medien gibt es keine gemeinsame Wirklichkeit – nur parallele Wahrnehmungsräume. Gerade für Markenkommunikation ist das von zentraler Bedeutung. Wirkung entsteht nicht im Raum beliebiger Aufmerksamkeit, sondern im Raum geteilter Bedeutung. Menschen vertrauen Botschaften dort, wo sie Orientierung finden. Aufmerksamkeit allein schafft noch keine Relevanz.

Für die Styria Media Group ist das keine neue Erkenntnis, sondern Teil ihres Selbstverständnisses. Seit ihrer Gründung 1869 in Graz steht sie für die Überzeugung, dass Öffentlichkeit kein Privileg ist, sondern Voraussetzung einer offenen Gesellschaft. Zugang zu verlässlicher Information schafft die Grundlage für Urteilsbildung. Urteilsbildung ermöglicht Verantwortung. Verantwortung wiederum ist eine Voraussetzung für funktionierende Gemeinschaft. Dieser Zusammenhang ist einfach formuliert – aber in keiner Gesellschaft selbstverständlich.

Gemeinschaft braucht gemeinsame Bezugspunkte

Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen etwas teilen, das über technische Verbindung hinausgeht: Vertrauen in Informationen, gemeinsame Orientierung und die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten. Oft wird Gemeinschaft mit Einigkeit verwechselt. Tatsächlich lebt sie vom Gegenteil. Sie entsteht im Diskurs, im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und im Ernstnehmen des Gegenübers. Eine demokratische Öffentlichkeit muss Unterschiede sichtbar machen, ohne sie zu verhärten. Sie muss Vielfalt ermöglichen, ohne Orientierung zu verlieren.

Für Medien ist das eine zentrale Aufgabe. Vertrauen entsteht nicht durch Gleichklang, sondern durch Glaubwürdigkeit. Nicht dadurch, dass alle dasselbe denken, sondern dadurch, dass unterschiedliche Perspektiven nachvollziehbar und verständlich werden. In einer zunehmend komplexen Welt wird genau diese Fähigkeit zur Einordnung wichtiger. Gemeinschaft braucht gemeinsame Bezugspunkte. Sie braucht Orte, an denen Unterschiede sichtbar werden, ohne dass das Verbindende verloren geht.

Sich verändern, ohne sich zu verlieren

Die Styria Media Group ist kein statisches Gebilde. Sie hat sich in ihrer Geschichte immer wieder verändert – und genau darin liegt ihre Kontinuität. Medien, digitale Marktplätze sowie Druck-, Produktions- und Distributionsunternehmen: Das Portfolio hat sich gewandelt, weil sich die Welt gewandelt hat. Geblieben ist die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, ohne den eigenen Kern aus den Augen zu verlieren.

Veränderung gelingt jedoch nicht durch Strukturen allein. Sie gelingt durch Menschen. In einer Unternehmensgruppe, die in Österreich, Kroatien und Slowenien tätig ist, bedeutet das gelebte Vielfalt: unterschiedliche Märkte, Teams und Perspektiven – verbunden durch gemeinsame Werte und ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung. Gemeinschaft bedeutet hier nicht Gleichförmigkeit. Gemeinschaft bedeutet Anschlussfähigkeit. Die Fähigkeit, Unterschiede produktiv zu machen und Vielfalt als Stärke zu verstehen. Oder, wie wir es nennen: one spirit, unlimited ideas.

Kleine Zeitung Styria Motto

Orientierung schafft Vertrauen – Vertrauen schafft Gemeinschaft

Unser Anspruch – und damit unsere Mission - folgt einer einfachen Logik: Orientierung geben, Vertrauen schaffen, Gemeinschaft fördern. Die Reihenfolge ist entscheidend. Orientierung reduziert Komplexität. Vertrauen entsteht aus Verlässlichkeit. Gemeinschaft wächst aus geteilter Orientierung und belastbarem Vertrauen.

In einer zunehmend fragmentierten Informationswelt wird genau diese Verbindung zur Voraussetzung funktionierender Öffentlichkeit – und damit auch zur Voraussetzung wirksamer Kommunikation. Denn nur dort, wo Orientierung möglich ist und Vertrauen entstehen kann, entfalten Informationen, Inhalte und Botschaften ihre Wirkung.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre unserer Zeit: Vernetzung allein reicht nicht mehr. Je dichter die Welt verbunden ist, desto bewusster muss daran gearbeitet werden, was sie zusammenhält. Verbindung ist ein Zustand. Gemeinschaft ist eine Leistung. Und Medien sind der Raum, in dem diese Leistung jeden Tag neu entsteht.

Über Dr. Margot Hohl

Kleine Zeitung Margot Hohl

©Winona Pilat

Dr. Margot Hohl ist Unternehmenssprecherin der Styria Media Group und leitet die Stabsstelle Corporate Communications & ESG-Management.

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