GASTKOMMENTAR von Prof. Bernhard Heinzlmaier

Risikogruppe Jugend: Wie Unternehmen Jugendliche fördern und zu zufriedenen Mitarbeitern machen können

Oft wurde schon geschrieben und gesagt, dass unsere Jugend als „Krisenjugend“ aufwächst, aber kaum etwas wurde getan, um der Jugend ihr Schicksal zu erleichtern. Vor allem Lehrlinge haben es schwer. Sie kommen meist aus den weniger begüterten Schichten der Gesellschaft, die besonders unter der galoppierenden Inflation der letzten Jahre gelitten haben und sie müssen, vor allem wenn sie in den Großstädten aufwachen, mit den schlechtesten Schulbedingungen vorliebnehmen.

Herausforderungen der Jugendlichen im Berufsstart

NMS-Direktor:innen, wie der Wiener Christian Klar, mahnen schon seit langem tiefgreifende Reformen an. Ohne diese kann aus ihrer Sicht eine vernünftige und zweckmäßige Schulbildung in den Pflichtschulen nicht mehr garantiert werden. Vor allem die Kinder aus Migrationsmilieus überfordern die Grundschulen in den Städten. Der Anteil der außerordentlichen Schüler:innen, das sind solche, die die Unterrichtssprache Deutsch nicht beherrschen, wird immer größer. Und auch ein „clash of culture“, den man vernünftig moderieren müsste, beschäftigt die Schulen schon lange. Viele Lehrer:innen halten den täglichen Druck nicht mehr aus, werden krank oder versuchen in den ländlichen Raum abzuwandern. Dort sind die sozialen und kulturellen Umfeldbedingungen der Schulen weniger erdrückend und auch der Anteil der Schüler:innen mit Sprachproblemen ist geringer. Immer häufiger hört man von Familien, die aus den Städten auf das Land abwandern, nur deshalb, weil die Schulqualität dort besser ist.

Unternehmer haben heute vielfach das Problem, dass sie Schüler:innen mit so großen Lern- und Bildungsdefiziten von den Schulen geliefert bekommen, dass es schwerfällt, sie ohne zusätzliche Fördermaßnahmen in die Betriebsabläufe zu integrieren. Gerade in einer angespannten betrieblichen Ausbildungssituation kommt es besonders auf die Ausbildungspersonen an. Die Jugendlichen wünschen sich einfühlsame, achtsame und fachlich kompetente Ausbildner:innen. Fachlich sind die Leute durchwegs top. Wo es aber fehlt, sind pädagogische und psychologische Grundkenntnisse. Das fachkundige Agieren auf der sogenannten „Beziehungsebene“ ist bei der Ausbildung von Jugendlichen unserer Tage nicht selten genauso wichtig, wie ausgeprägte Fach-Kompetenzen. Aus diversen Studien wissen wir, dass versierte und sozial kompetente Ausbildner:innen entscheidend dafür sind, dass Lehrlinge ihre Ausbildung engagiert und erfolgreich über die Bühne bringen.

Was junge Mitarbeiter wirklich motiviert

Die junge Krisengeneration ist im hohen Maße pragmatisch und sicherheitsorientiert. Sie steht mit beiden Füßen am Boden der Tatsachen, baut sich keine unerreichbaren Luftschlösser und verlangt im hohen Maße Stabilität und Sicherheit. Deshalb werden Ausbildungsbetriebe bevorzugt, die auf eine lange Tradition verweisen können, in österreichischer Hand sind und über ein gutes Image verfügen. Besonders angesehen bei Jugendlichen sind Betriebe wie Siemens, ÖBB, Porr, Red Bull oder die Voestalpine. Aber auch florierende Mittelbetriebe im ländlichen Raum sind beliebt und begehrt. Interessant ist, dass die Jugendlichen selbst ihre Situation knallhart analysieren und recht offen ihre eigenen Defizite am Ende von Pflicht- und Berufsschule ansprechen. So beklagen Jugendliche, die in der Tourismusbranche arbeiten, dass ihr Englisch nicht ausreichend ist. Arbeiten sie in der Industrie, dann müssen viele von ihnen zur Kenntnis nehmen, dass ihre Mathematik- und Rechenleistungen mangelhaft sind. Die Jugend ist also selbstkritisch, gibt ohne Zurückhaltung ihre Schwächen zu und möchte sie bereinigen.

Was muss man jungen Mitarbeiter:innen noch bieten, damit sie motiviert und leistungsorientiert zu Werke gehen? Neben der qualifizierten Ausbildung, dem sicheren Job, dem kompetenten Ausbildner:innen auf jeden Fall ein gutes Gehalt und ein top Firmenimage – die Jungen wollen mithilfe einer angesehenen Firma im Rücken ihr eigenes Image aufwerten, also den berühmten Image Overflow genießen. Wenn sie in ihrem Freundeskreis für das Unternehmen bewundert werden, in dem sie arbeiten dürfen, steigert das ihr Selbstbewusstsein und macht sie zu etwas Besonderen. Denn die Jugendlichen unserer Tage sind keine stereotypen und gleichförmigen Herdentiere. Im Gegenteil, man will positiv auffallen, aus der Masse herausstechen, bemerkenswert und einzigartig sein. Das jedenfalls müssen Betriebe berücksichtigen, wenn sie am Arbeitsmarkt der jungen Arbeitnehmer:innen erfolgreich sein und junge Mitarbeiter:innen langfristig an sich binden wollen.    

Über Bernhard Heinzlmaier

Bernhard Heinzlmaier für Jugendliche fördern im Unternehmen

© Fotostudio Wilke

Prof. Mag. Bernhard Heinzlmaier ist Mitbegründer und ehrenamtlicher Vorsitzender des Instituts für Jugendkulturforschung und leitet hauptberuflich das Marktforschungsunternehmen tfactory. Seit mehr als drei Jahrzehnten zählt er zu den profiliertesten Jugend- und Meinungsforschern Österreichs. Für seine Verdienste wurde ihm 2018 von Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Berufstitel Professor verliehen.

Zu seinen aktuellen Projekten zählt die Jugend-Wertestudie 2025, die Einblicke in Werthaltungen, Lebenswelten, Sorgen und Medienverhalten der jungen Generation gibt. Neben zahlreichen Publikationen – zuletzt „Babyboomer gegen Generation Z. Vom Ende des neuen Biedermeier“ (Promedia, 2025) – entwickelt Heinzlmaier praxisnahe Konzepte für Jugendpolitik und Zielgruppenkommunikation. Gemeinsam mit tfactory organisiert er zudem Fachseminare, darunter den aktuellen Seminartag „Die Jugend im Bannkreis der Bildmaschinen“ zur Jugendkommunikation.

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